Dein Standort: Arbeitsplatz oder Sehnsuchtsort?

Standortfrage und das Urlaubsziel der Gäste

 

Die Gestaltung eines touristischen Angebotes unterscheidet sich in einigen Dingen von der Gestaltung anderer Dienstleistungen. Wie wir schon im vorherigen Kapitel festgestellt haben, verkaufen wir als Touristiker keine Ergebnisse, sondern Erlebnisse. Wir stellen unseren Gästen einzelne Komponenten (z.B. Standplatz, Zugang zu sanitären Anlagen) dafür bereit, für die sie bezahlen.

 

In den meisten Fällen ist aus Gästesicht die Schönheit und Besonderheit einer Landschaft das Angebotselement, welches sich am stärksten auf die Wahl des Urlaubsortes auswirkt. Das Kriterium, welches die Reiseentscheidung am stärksten beeinflusst, ist die Kombination aus Flora, Fauna, Topographie, Historie, Kultur, Architektur und den Menschen vor Ort.

 

Um an einem warmen Sommertag baden zu gehen und sich zu sonnen, muss man keine weite Reise antreten. Baden und sonnen kann man auch im heimischen Freibad oder am nahen Baggersee. Das, was Menschen veranlasst, dazu ans Meer zu reisen, ist die besondere Atmosphäre an einem Strand und einer maritimen Umgebung, einhergehend mit einem bestimmten Klima, Gerüchen und Geräuschen. Ebenso reisen Menschen in die Berge ohne die Berge, als solches in Form von alpinen Aktivitäten (z.B. klettern, bergwandern, skifahren) in ihre Urlaubsgestaltung mit einzubeziehen. Sie reisen in die Berge, um die imposante alpine Welt zu bestaunen, die örtlichen Besonderheiten zu genießen und sich in einem ganz bestimmten Klima zu erholen.

 

Es ist also das, was den Gast umgibt, was seinen subjektiv empfundenen Erlebniswert ausmacht. Als Touristiker müssen wir uns darüber bewusst sein, dass unsere Gäste ihre Reise in erster Linie deshalb antreten, weil sie für ihre Erlebnisse eine ganz besondere Umgebung suchen. Übertragen auf Deinen Campingbetrieb bedeutet dies im weiteren Sinne Land und Leute Deiner Standortregion und im engeren Sinne das Ambiente Deines Platzes. Für die weitere Entwicklung Deines Angebotes ist sehr wichtig, dass Zielgruppen und Umgebung miteinander harmonieren, bzw. dass Du weißt, wer warum in welche Landschaft reist und wer warum lieber wo anders hin reist.

 

 

Die Wahl des richtigen Standortes

 

Stell Dir jetzt bitte eine Sumpfpflanze und einen Kaktus vor! Beide werden als die Robustesten und Widerstandsfähigsten ihrer Art verkauft. Die Sumpfpflanze kann ein paar Tage Trockenheit ab und der Kaktus kann ein paar Tage nasse Füße haben. Was passiert aber, wenn Du die Sumpfpflanze in die Wüste pflanzt und den Kaktus in den Sumpf? Richtig, früher oder später werden sie zu Grunde gehen. Nicht, weil sie sehr sensibel sind oder von Krankheiten befallen werden, sondern einfach weil sie an den falschen Standort gepflanzt wurden.

 

Auch wenn diese Analogie jetzt vielleicht sehr weit her geholt ist, aber ich denke, die Botschaft ist angekommen. Übertragen auf Deinen Campingplatz bedeutet dies, dass Du entweder für Dein Konzept den passenden Standort wählen oder für Deinen Standort das richtige Konzept erarbeiten solltest. Es wäre sehr schade, wenn Dein Geschäftsmodell ein imposanter und blühender Kaktus ist, aber dadurch eingeht, weil man ihn in einen Sumpf pflanzt. Genauso schade wäre es, wenn Du als Standort bereits einen Sumpf hättest, darin aber unbedingt Kakteen züchten möchtest. Dann wäre es besser, zu überlegen, ob Seerosen oder Morgentau zu züchten nicht sinnvoller wäre.

 

Für einen touristischen Beherbergungsbetrieb ist es also existenziell, dass Dein Konzept und der Standort passen. Der Standort ist ein wesentlicher Bestandteil Deines Konzeptes.

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